Badesand für Hamster

Hamster benötigen ein Sandbad in ihrer Behausung.
Zum einen, weil Hamster gerne darin wühlen und dabei gleichzeitig ihre Krallen pflegen - zum anderen dient ein ausgiebiges Sandbad der Fellpflege. Die Sandkörner kämmen quasi das Fell.
Soweit besteht noch Einigkeit unter den Hamsterfreunden. Problematisch wird es erst, wenn es um die Frage geht, welcher Sand denn nun der geeignetste Sand für Hamster ist.

Geläufig sind dabei drei Grundarten:
-> "normaler" Sand, wie er im Baumarkt zu kaufen ist (z.B. für den Sandkasten)
-> Vogelsand
-> Chinchillasand
und (seltener) ist auch Aquariensand in Hamstersandbädern anzutreffen.


Der normale Sandkastensand (Quarzsand)

Der "normale" Sandkastensand besteht (eigentlich immer) aus Quarzsand in unterschiedlicher Körnung.
Der Sand fühlt sich "hart" an, die Körner sind nicht abgerundet.
Dies kann dazu führen, daß das Fell des Hamsters beim Sandbaden angegriffen und stumpf wird.
Letzteres ist bei Zwerghamstern ein echtes Problem, da die sich richtig im Sand herumwälzen und dabei auch auf dem Rücken liegen.
Quarzsand hat eine nur geringe Saugfähigkeit (*), wird aber von Mittelhamstern
erfahrungsgemäß gerne angenommen. Die Zugabe von Talkum erhöht
die Saugfähigkeit.

(*) Quarze haben per Definition keine Fähigkeit zur
Wasseraufnahme


Sandkastensand Spielsand für den Sandkasten

Hier nochmal in groß:

Quarzsand

Auf dem Photo ist gut zu sehen, daß sie Körner abgerundet
sind (scharfkantiger Quarz ist wie Glas), das graue/weißliche sind die
Quarzkörner. Und der Sandkastensand besteht nicht nur aus reinem Quarz (im
Vergleich zum Aquariensand) sondern enthält noch andere Bestandteile wie Kalk,
Glimmer etc.. drin (alles harmlos).



Eine weitere Quarzsandart, die in Sandbädern gefunden wird: Aquariensand (in 50facher Vergrößerung unter dem Mikroskop):

Aquariensand





Vogelsand


Vogelsand


Vogelsand besteht aus einer Mischung aus Quarzsand, kleinen Muschelstückchen und meist auch Anis-Duftstoffen.
Im Hinblick auf die Saugfähigkeit ist Vogelsand okay und auch, dass dieser aus Quarzsand besteht, ist in Ordnung.
Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, daß der Hamster den Duft nicht mag.
Hamster haben einen weitaus besser entwickelten Geruchssinn als Menschen und was für uns Menschen gut riecht, kann der Hamster als sehr unangenehm empfinden.
Die Muschelstücke können den Hamster verletzen - äußerlich an den Pfoten oder innerlich, falls der Hamster die Muschelstücke frißt.
Auch das Heraussieben kann unter Umständen nicht alle Muschelstückchen entfernen.
Muscheln brechen sehr scharfkantig.

Wichtig!!!
Wer Vogelsand trotzdem für den Hamster benutzen möchte, muß unbedingt den Sand durchsieben. Die Muschelstücke sind gefährlich!!!
Besser auf andere Sandsorten umsteigen.



Chinchillasand

Chinchillasand besteht auch aus unterschiedlichsten Sandarten, wobei jedoch keine weiteren Zusätze (wie beim Vogelsand) zu finden sind. Wichtig ist, daß der Sand "weich" ist, d.h. daß die Körner abgerundet sind, damit sie die einzelnen Haare des Fells nicht angreifen.



Chinchillasand

<--- Zwei Sorten Chinchillasand.

Trotzdem es sich in beiden Fällen um Sand handelt, der unter der Bezeichnung "Chinchillasand" verkauft wird, sieht man im direkten Vergleich sehr schön, daß sich beide Sandarten deutlich unterscheiden. Der Begriff "Chinchillasand" ist nicht geschützt und grundsätzlich könnte jeder Sand unter dem Namen Chinchillasand verkauft werden.

Da Chinchillasand kein feststehender Begriff ist, kann er aus allen möglichen Gesteinsarten bestehen, wie Bimsstein, Kalkstein, etc.





      Hier noch einmal vergrößert:

ChinchillasandChinchillasand

Und nochmal stark vergrößert:





Chinchillasand (eigentlich der empfehlenswerteste Sand, da er
speziell für die Bedürfnisse der Tiere zusammengestellt wird) hat
ein großes Problem: viele Chinchillasandsorten enthalten Attapulgit
oder Sepiolith. Beide Stoffe stehen in dem Verdacht, krebserregend
zu sein, bzw. sind bereits so eingestuft worden.


 WAS IST ATTAPULGIT?

Attapulgit gehört, wie auch Sepiolith, zu den Bandsilicaten (exakter: zu den trioktaedrischen Bandsilicaten).
Es bildet verfilzte Massen, die einem gewebten Stoff ähneln.  

Die Minerale Attapulgit und Sepiolith können längs zur Faser spalten und bilden daher auch Fasern im
lungengängigen Bereich.
Die Fasern verweilen dann in der Lunge, wo sie Krebs erzeugen können.
Normalerweise verfügt der menschliche wie tierische Körper über die Fähigkeit, unwillkommene Stoffe, wie Staubpartikel, wieder auszuscheiden. Staubpartikel in der Lunge können normalerweise
ausgehustet werden.
Durch die Faserstruktur von Attapulgit, wie auch Sepiolith und Asbest, ist ein Abhusten nicht möglich. Die Stoffe verbleiben im Körper und können dort krebserregend wirken.

Attapulgit, wie auch Sepiolith, ähneln in ihrer Struktur Asbest.
Von Asbest ist mittlerweile bekannt, dass es als krebserregend gilt.
Doch nicht nur Asbest, sondern auch andere Fasern passender Dimensionen, die schwer abbaubar sind, können Lungenkrebs erregen. Die chemische Zusammensetzung spielt dabei offensichtlich keine Rolle (selbst, ob anorganisch oder organisch).
Als besonders gefährlich gelten folgende Faserdimensionen: Länge >5 µm, Durchmesser <3 µm, Verhältnis Länge: Durchmesser >3.

Wie schon erwähnt, ist nicht nur Asbest gefährlich, sondern auch andere Faserstäube, wenn sie entsprechende Abmessungen haben. In der TRGS 521(*) Faserstäube und der TRGS 905(**) werden nähere Hintergründe erläutert und einige Faserstäube aufgezählt, wobei bei den anorganischen Fasern sowohl Attapulgit (Palygorskit) als auch Sepiolith genannt werden.

(*) TRGS 521 = Technische Regeln für Gefahrstoffe: Faserstäube vom 6.April 2002, BarbBl 5/2002, S. 96
(**) TRGS 905 = BUNDESANSTALT FÜR ARBEITSSCHUTZ UND ARBEITSMEDIZIN (2001): Technische Regel für Gefahrenstoffe TRGS905, Verzeichnis krebserzeugender,erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe.BarbBl 9/2003. 


Attapulgit

Attapulgit unter dem Raster-Elektronen Mikroskop.
Die faserige Struktur ist gut zu erkennen.












Im Gegensatz dazu liegt hier ein normales Sandkorn unter dem REM:
Glatte Kanten und keine gefährlichen Fasern:
Normaler Sand unter dem REM
















Welcher Sand ist denn nun der Beste?

Ich fürchte, darauf gibt es keine allgemein gültige Regel.  Jeder, der sich einmal auf eine Sandsorte festgelegt hat und damit zufrieden ist, wird sagen, daß sein Sand für Hamster okay ist. Ich habe von Hamstern gehört, die Chinchillasand verschmähten, aber eine wahre Buddelleidenschaft in Quarzsand entwickelten. Ein Hamster mochte keinen Chinchillasand, war aber wild auf Vogelsand und der nächste mochte nur Chinchillasand einer bestimmten Marke.
Eine allgemeine Aussage, welchen Sand der Hamster bevorzugt, kann deshalb nicht gemacht werden, das scheint von Tier zu Tier unterschiedlich zu sein.
Es gibt aber sicherlich einige Regeln, nach denen man sich bei der Wahl des Sandes richten sollte. Und wenn man diese Regeln befolgt, heißt es im Weiteren: ausprobieren:
 Ausprobieren, wie der Hamster auf den Sand reagiert; ausprobieren, ob es Augenprobleme gibt und ausprobieren, ob es Fellprobleme gibt.

Welche Regeln gilt es also zu beachten?

Quarzsand birgt die Gefahr, zu scharfkantig zu sein. Wer Quarzsand, wie Sandkastensand oder Aquariensand, benutzen möchte, sollte darauf achten, daß die Sandkörner abgerundet sind.


Vogelsand birgt Verletzungsrisiken durch scharfkantige Muschelstücke. Diese sollten auf jeden Fall herausgesiebt werden. Auch hier sollte darauf geachtet werden, daß der Sand (meistens auch Quarzsand) nicht zu scharfkantig ist. Wenn der Hamster den Sand nicht mag, könnte es auch am Anisgeruch liegen.


Chinchillasand könnte Attapulgit oder Sepiolith enthalten. Stoffe, die auch für den Menschen ein erhebliches Risiko darstellen.

Ein Hamster wird möglicherweise nicht lange genug leben, um einen Lungentumor aufgrund des Einatmens dieser Stoffe zu entwickeln.
Wir Menschen nehmen diesen feinen Staub aber auch auf. Der Staub gelangt in die Zimmerluft, wenn der Hamster sandbadet oder wenn wir sein Sandbad durchsieben oder alten Sand entfernen und neuen nachschütten.
Und wir Menschen leben regelmäßig lange genug, um auf solche Stoffe in der Lunge mit Tumorbildungen zu reagieren.

Das Attapulgit-Problem ist also weniger eines der Hamsterhaltung, sondern vielmehr eines der damit befaßten Menschen.

Einige Hersteller geben den Zusatz von Attapulgit oder Sepiolith offen zu, da "Attapulgitsand" derzeit noch ein Qualitätsmerkmal in Chinchilla-Kreisen zu sein scheint. Wenn es auf der Packung vermerkt ist, dann ist die Entscheidung einfach: besser nicht nehmen.
Wenn es nicht vermerkt ist, dann ist die Situation schon schwieriger. Schließlich hat kaum jemand Zugriff auf Laboruntersuchungen.
 Generell gilt, Attapulgit hat eine braune Färbung. Je heller der Sand ist, desto wahrscheinlicher ist kein Attapulgit enthalten.
Ferner lohnt es sich, die diversen Foren nach den Sandmarken zu durchforsten. Von einigen Herstellern ist bekannt, ob sie Attapulgit/Sepiolith verwenden oder nicht. Ich werde hier keine Liste posten, da mir nicht der Sinn nach juristischen Auseinandersetzungen mit dem einen oder anderen Hersteller steht.
Es gibt natürlich auch attapulgitfreien Chinchillasand. Dieser darf selbstverständlich benutzt werden. Es sollte in jedem Fall aber darauf geachtet werden, daß der Sand nicht stark staubt.


Wer tiefer in die Materie Attapulgit einsteigen möchte, der sollte hier klicken.
Eine Hamsterfreundin und
Mikropaläontologin hat sich die Mühe gemacht, die Attapulgit-Problematik wissenschaftlich zu durchleuchten.
Mit ihrer Genehmigung veröffentliche ich diesen Text auf der folgenden Seite.
Und gleichzeitig möchte ich mich bei ihr bedanken, da sie die Texte und Infos auf dieser Seite gegengelesen und wenn nötig auch korrigiert hat.
Ferner hat sie mir drei ihrer Fotos für diese Seite zur Verfügung gestellt. Vielen Dank auch dafür!


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