Verfasserin:
B. Schenk
Allgemein:
Als Sand werden
in der Korngrößensystematik Partikel mit dem Durchmesser in der Größe
von 63,2 µm bis 2 mm bezeichnet. Von 0,2 µm bis 2µm Durchmesser wird
dann von Ton gesprochen (HEIM, 1990). Tone besitzen Eigenschaften, die
sie grundsätzlich von anderen Gesteinen unterscheidet. Nach HEIM (1990)
können Tone bis zu 80 Vol.-% Wasser aufnehmen und dabei eine
Volumenzunahme erfahren (bei Wasserentzug tritt eine
Volumenverminderung auf). Tone können ebenfalls plastische
Verformbarkeit aufweisen und zusätzlich vermögen sie Schadstoffe zu
binden.
Tongesteine
bestehen im wesentlichen aus Relikten von Gesteinen, umgebildeten
Materialien, und Neubildungen. Ebenso enthalten sie noch "Tonminerale
im engeren Sinne" (HEIM, 1990).
Aufbau:
Das
SiO4-Tetraeder ist der Grundbaustein aller silikatischen Tonminerale.
Mehrere dieser Tetraeder bilden die sogenannte Tetraederschicht, die
das fundamentale Bauelement darstellen. Innerhalb dieser Schicht werden
noch Aluminium und Eisen eingebaut. Das zweite fundamentale Bauelement
ist die sogenannte Oktaederschicht. In diese Schicht werden viele
verschiedene Elemente (z.B. Eisen, Magnesium, Titan, Mangan etc.)
eingebaut. (HEIM, 1990)
Diese zwei
Schichten werden dann, je nach Tonmineral unterschiedlich, miteinander
verknüpft.
Palygroskit und
Sepiolith:
(Nach HEIM
(1990) wurde Palygorskit früher Attapulgit genannt.) Durch die
bestimmte Anordnung der Tetreader- und Oktaederschichten bilden diese
zwei Tonminerale Fasern aus. Sie gehören zusammen in die sogenannte
Palygorskit-Sepiolith-Gruppe (CHAMLEY, 1989). Palygorskit (allgemeine
Formel: [Si8O20][Mg5(OH)2] x(OH2)4x(H2O)4 und Sepiolith (allgemeine
Formel: [Si12O30][Mg8(OH)2] x(OH2)4x(H2O)8 sind Bandsilikate. Daher
können sie im Gegensatz zu den meisten anderen Tonmineralen nur ein
begrenztes Wasservolumen aufnehmen und nicht quellen (HEIM, 1990).
Palygorskit:
Nach HEIM (1990)
tritt Palygorskit weltweit in tertiären bis rezenten, lakustrinen und
marinen Sedimenten niederer bis mittlerer Breiten auf. Das Pariser
Tertärbecken, Ägypten, Israel, Ukraine und Nordamerika sind bekannt für
Palygorskit Vorkommen.
Dieses
Tonmineral bildet im mikroskopischen Bereich leisten- und faserförmige
Formen aus. Der Querschnitt dieser Fasern liegt zwischen 0,0035 µm und
0,5 µm, die Länge kann bis zu mehreren µm betragen (SINGER, 1981).
Aufgrund der variierenden Verhältnisse innerhalb der eingebundenen
Elemente kann Palygorskit unterschiedliche Strukturformeln aufweisen,
z.B.
a) (Na0,03
K0,12)(OH2)4(H2O)4[Si7,83All0,17O20][Al1,86Mg1,61Fe3+0,18Ti4+0,16(OH)2]
b) (Ca0,28 K0,02
Na0,03)(OH2)4(H2O)4[Si7,49Al0,51O20][Al1,19Mg2,66Fe3+0,26Fe2+0,06(OH)2]
(CORMA et al.,
1987).
Eigenschaften:
Palygorskit und Sepiolith gehören wie Asbest zu den Naturfasern, bzw.
zu den faserförmigen Mineralen (S. 2: BAYERISCHES LANDESAMT, 2004).
Nicht alle Fasern sind jedoch krebserregend. Grundsätzlich können
Fasern nur Krebs erzeugen, die in die Lunge gelangen und dort auch
ausreichend lange verweilen (biobeständig). Kritische Fasern, d. h.
solche die lungengängig sind müssen bestimmter Vorraussetzungen
erfüllen. Allgemeine Definition von lungengängig (S. 4: Bayerisches
Landesamt, 2004): "die Fasern haben eine Länge von < 250 µm und eine
Dicke von < 3 µm. Besonders kritisch sind die Fasern im Bereich
länger als 5 µm und dünner als 3 µm. Das Verhältnis Länge / Durchmesser
muß > 3 sein. "
Die Minerale Palygorskit und Sepiolith können längs zur Faser spalten
und bilden daher auch Fasern im lungengängigen Bereich. Sie sind als
krebsverdächtig bzw. krebserzeugend eingestuft. Für Faserstäube
existiert eine spezielle Einstufung in Kategorien von 1 bis 3 der MAK
(=Maximale Arbeitsplatzkonzentration) -Werte Liste. Im Tierversuch
wurde für fast alle anorganischen Fasern eine kanzerogene Wirkung
nachgewiesen. Daher werden auch alle anorganischen Fasern als für den
Menschen krebsverdächtig angesehen (S. 5 nach BAYERISCHES LANDESAMT,
2004):
MAK / BAT Werte Liste:
Innerhalb dieses Abschnittes gibt es 3 Kategorien von Fasern, die nach
Auswertung von Versuchen in unterschiedlichen Maß zur Tumorauslösung
führen.
(Kategorie 1: positiver Befund aus epidemologischen Untersuchungen)
Kategorie 2: positive Befunde aus Inhalationsversuchen (oft gestützt
durch weitere Untersuchungen mit intraperitonealer, intrapleuraler oder
intratrachealer Verabreichung)
oder
eindeutig positive Befunde (signifikant erhöhte Tumorrate) aus
Versuchen mit intraperitonealer, intrapleuraler oder intratrachealer
Verabreichung.
Kategorie 3: fragliche Befunde aus Inhalationsversuchenh oder aus
Versuchen mit intraperitonaler, intrapleuraler oder intratrachealer
Verabreichung
oder
keine Daten.
Palygorskit fällt in die Kategorie 2, Sepiolith Kategorie 3 B (nach
BAYERISCHES LANDESAMT, 2004). Sie sind sogar namentlich in der TRGS905
(= Technische Regel für Gefahrenstoffe) genannt: "Kategorie 2
(krebserzeugend) Attapulgit (Palygorskit) (...). Kategorie 3
(krebsverdächtig) (...) Sepiolith (...).
Literatur:
BAYERISCHES LANDESAMT FÜR UMWELTSCHUTZ, UMWELTBERATUNG BAYERN (2004):
Künstliche Mineralfasern. ?
http://www.bayern.de/lfu/umwberat/data/prod/kmf_2004.pdf
BUNDESANATALT FÜR ARBEITSSCHUTZ UND ARBEITSMEDIZIN (2001): Technische
Regel für Gefahrenstoffe TRGS905, Verzeichnis krebserzeugender,
erbgutverändernder oder fortpflanzungsgefährdender Stoffe. — BarbBl (9)
2003. http://www.baua.de/prax/ags/trgs905.pdf
CHAMLEY, H. (1989):Clay Sedimentology. — 1-623, 243 Fig., 65 Tab.;
Springer Verlag, Berlin.-
CORMA, A., MIFSUD, A. & SANZ, E. (1987): Influence of the chemical
composition and textural characteristics of palygorskite and the acid
leaching of octehedral cations. — Clay Miner. (22): 225-232.
HEIM, D. (1990): Tone und Tonminerale. — 1-152, 31 Abb. 9 Tab.;
Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart.
SINGER, A. (1981): The texture of palygorskite from the Rift Valley,
southern Israel. (Note). — Clay Miner. (16): 415-419.
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